Soziokratie – was ist denn das?

Soziokratie ist ein Prinzip um Familien, Gruppen, Vereine oder Firmen zu organisieren. Ich spreche auch oft von einer sozialen Technologie. Für mich ist Soziokratie mehr als eine „leere“ Methode, weil sie Organisationen dabei unterstützt folgende Werte zu leben:

  • Gleichwertigkeit
  • Transparenz
  • Nachhaltigkeit
  • Effektivität
  • Verantwortungsübernahme
  • permanentes Lernen

Sie ist vielmehr ein Konzept und eine Haltung. Soziokratie kann als andauernder gemeinsamer Lernprozess verstanden werden, der uns erlaubt „Fehler“ zu machen und daraus Neues zu entwickeln – uns zu entfalten.

Soziokratie wird in der Praxis in verschiedenen Formen ausgeübt. Es gibt verschiedene Strömungen von Soziokratie, wie klassische Soziokratie mit ihrer Kreisorganisationsmethode, oder Soziokratie 3.0., oder die Holokratie. Diese überschneiden sich, aber unterscheiden sich auch. Ein wichtiges Prinzip zur Entscheidungsfindung ist der Konsent.

Der Konsent

Konsens bedeutet, dass alle einem Vorschlag zustimmen können. Konsent bedeutet, dass niemand zu einem Beschluss einen begründeten und schwerwiegenden Einwand hat. Soziokratie kennt kein blockierendes Vetorecht. Alle stellen sich die Frage: „Kann ich damit leben? Ist es sicher genug um unser gemeinsames Ziel zu erreichen?“ Alle Widerstände werden gehört. Schwerwiegenden Einwände werden in ein gemeinsames Handeln einbezogen. Das lässt die Weisheit aller Beteiligten einfließen, dadurch wird Kreativität freigesetzt, Ressourcen werden gespart und nachhaltige Lösungen gefunden. Der Unterschied zwischen Konsens und Konsent wirkt zuerst banal. Er erzeugt aber große Erleichterung, da Konsent-Entscheidungen einen Perspektivwechsel bringen, die Organisationen aus dem Perfektionismus herausholen. Es geht einfach darum den nächsten möglichen Schritt in die richtige Richtung zu gehen, zu überprüfen, eventuell zu korrigieren – also permanent kleine Verbesserungen umzusetzen. Im Gegensatz zu demokratischen Entscheidungen, entscheidet nie die Mehrheit, sondern immer das beste Argument.

Organisationsaufbau

Die Soziokratie ist eine Möglichkeit Organisationen zu strukturieren und sinngerichtet aufzubauen. Ein Soziokratisches Organigramm besteht aus verschiedenen Arbeitskreisen (also Zuständigkeitsbereichen), die logisch miteinander verbunden , also „verlinkt“ sind. In der klassischen Soziokratie gibt es einen hierarchischen Organisationsaufbau mit weisungsbefugten Kreisen. In der agilen S3 sind weitere Arten der Organisation denkbar- wie Formen, die sich völlig dezentral und heterarch strukturieren und die sich ständig anpassen. Im Prinzip kann jeder Verein, jedes Unternehmen und jede Kooperative ihre eigene passende Soziokratie entwickeln. Welche „Schule“ passt, dass kommt auf Eure Grundhaltung an. Möchtet ihr gerne klare Regeln und es ist wichtig für Sicherheit in der Selbstorganisation zu sorgen, dann passt die klassische Soziokratie. Seid ihr ein bunter kooperativer Haufen und emanzipierte Freigeister, die immerwährend Weiterentwicklung wünschen, dann ist die S3 etwas für Euch. Wollt ihr gerne ein dynamisches Unternehmen aufbauen, bei dem die Einzelnen zwar miteinander an einem Strang ziehen, aber ihre eigenen autonome Bereiche brauchen, dann ist die Holokratie etwas für Euch.

Die klassische Soziokratie und die Holokratie werden in der Regel komplett von einem externen zertifizierten Berater implementiert. S3 ist Opensource (Sociocracy30.org, evolvingcollaboration.com, Youtube) und kann autodidaktisch Stück für Stück erprobt werden. Ich mag S3 am liebsten und begleite Vereine, Kooperativen, Unternehmen in ihrem Weg sich diese Form der Soziokratie selbst anzueignen.